PROFIL 

– Mitgliedervorstellung


In der Kategorie PROFIL stellen wir im ICC Germany-Magazin mit zehn kurzen Fragen ein Mitglied unserer Organisation vor – und zwar nicht nur mit Blick auf die jeweilige Branche, sondern auch von der ganz persönlichen Seite. Dieses Mal dabei: Dr. Kerstin Waltenberg!


Dr. Kerstin Waltenberg ist seit August 2022 die Menschenrechtsbeauftragte (Chief Human Rights Officer) des Volkswagen-Konzerns. In dieser Funktion verantwortet die Juristin die Einhaltung menschenrechtlicher und umweltbezogener Sorgfaltspflichten in mehr als 2.100 Konzerngesellschaften und bei mehr als 85.000 direkten Lieferanten weltweit.

Was sind aktuell die größten Herausforderungen im Bereich Menschenrechte, und wie gehen Sie in Ihrem Unternehmen damit um?

Die größte Herausforderung ist und bleibt die Komplexität unserer Lieferketten. Ein Verbrenner-Golf beispielsweise besteht aus ca. 2.500 einzelnen Komponenten. Dafür gibt es fast genauso viele Lieferanten, und die Lieferketten dahinter enthalten teils mehr als 30 Stufen. Bei Elektrofahrzeugen kommt die Komplexität der Batterie-Lieferkette hinzu – mit allen bekannten Herausforderungen für Mensch und Umwelt.

Wie sehen Sie die Rolle der globalen Wirtschaft, wenn es um die Achtung von Menschenrechten geht?

Die UN-Leitprinzipien von 2011 beantworten dies für uns: Unternehmen sollen sich darüber im Klaren werden, welche Auswirkungen ihre Geschäftstätigkeit auf Menschenrechte haben kann oder hat. Auf dieser Erkenntnis basierend sollen sie Verfahren einrichten und Maßnahmen ergreifen, um negative Auswirkungen zu vermeiden, zu verringern oder auszugleichen. Das alles im Rahmen dessen, was die Unternehmen selbst (mit-)verursacht haben und beeinflussen können. Diesen Gedanken greift auch das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz auf. 

Wie bereitet sich Volkswagen auf neue regulatorische Vorhaben vor? Wie geht man als Unternehmen damit um?

Wie vermutlich jedes andere Wirtschaftsunternehmen auch – wir schauen uns an, was geregelt ist und identifizieren das Delta zwischen dem, was nun notwendig ist, und dem, was wir schon machen. Beim Thema Lieferkettensorgfalt, beispielsweise, mussten wir nicht bei „null“ anfangen – wir haben auf bestehende Due Diligence-Prozesse und konzernweite Regelungen aufgesetzt und diese angepasst bzw. ergänzt.

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Sehr gern würde ich einmal selbst im Einkauf arbeiten, um die Herausforderungen noch besser zu verstehen. Obwohl...ein Tag würde da sicher nicht ausreichen!

Welche Rolle spielt in Ihrem Arbeitsbereich eine unternehmensübergreifende Zusammenarbeit mit bspw. externen Partnern bei Ihrer Arbeit?

Eine sehr große Rolle! Wir sind gemeinsam mit den anderen Akteuren der Wirtschaft, der Politik, der Zivilgesellschaft weit wirksamer, als wir es allein je sein könnten. Deswegen unterstützen wir engagiert Austauschformate, beispielsweise den Branchendialog Automobil. Wir haben in diesem Jahr auch erstmals eine eigene, kostenfreie Konferenz für mehr als 90 Unternehmen und ihre Menschenrechtsbeauftragten organisiert.

Die derzeit spannendste Initiative in meinem Arbeitsumfeld ist…

genau die eben angesprochene Zusammenarbeit mit anderen. Hier erfahren wir jeden Tag Neues, und wir geben umgekehrt gern unsere Erfahrungen weiter und helfen damit anderen, Fehler zu vermeiden und Lösungen zu finden.

Was motiviert Sie persönlich in Ihrem Job?

Wenn ich in einzelnen Zusammenhängen erfahren darf, dass meine Arbeit einen Unterschied für Menschen oder Umwelt gemacht hat, wenn ich Situationen positiv verändern konnte. 

Ich begeistere mich viel zu sehr für…

...Garten- und Hausarbeit

Abschalten kann ich am besten…

...beim Rasenmähen. Dann habe ich oft die besten Einfälle. Meine Kollegen kennen das bereits und spotten, ob ich mal wieder gemäht habe.😉 

Mein ganz persönliches Vorbild ist… 

...meine Mutter. 


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